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Grubenwehr




Schließung des Tonwerkes - Außerdienststellung der Grubenwehr

So wie das Tonbergwerk der Stadt Klingenberg a.Main seit 16. Dezember 2011 Geschichte ist, so ist auch die Grubenwehr des Tonbergwerkes, die von der Freiwilligen Feuerwehr Klingenberg gestellt wurde, nach 34 Jahren ihres Bestehens nun auch Geschichte. Am 6. Dezember 2013 wurde die Grubenwehr des Tonbergwerkes der Stadt Klingenberg a.Main in einer kleinen Feierstunde im Rahmen der Barbarafeier der Interessengemeinschaft Tonbergbautradition Klingenberg a.Main durch Bürgermeister Ralf Reichwein offiziell außer Dienst gestellt.

Geschichte der Grubenwehr

Der Unternehmer eines Bergwerkes ist nach Berggesetz verpflichtet, zur Abwehr von Gefahren und zur Rettung von verunglückten Bergleuten geeignete Maßnahmen zu treffen, d.h. eine Grubenwehr aufzustellen. Die Belegschaftsstärke der Tongrube war aber nach der Blütezeit des Tonwerkes zu gering, um eine betriebseigene Grubenwehr aufstellen zu können. Gegen Ende der 1970er Jahre wurde vom Bergamt Nordbayern Bayreuth die Forderung gestellt, für die Tongrube in Klingenberg eine Grubenwehr für den Ersteinsatz aufzustellen. Nachdem die Zahl der Belegschaftsmitglieder nicht ausreichend war, fand am 13. Oktober 1978 eine Besprechung mit den zuständigen Behörden und Stellen statt.

Feuerwehr übernimmt verantwortungsvolle Aufgaben der Grubenwehr

Für die Stadt Klingenberg a.Main als Betreiberin der Tongrube lag es nahe, ihrer leistungsfähigen Freiwilligen Feuerwehr diese verantwortungsvolle Aufgabe zum Schutz und zur Hilfeleistung für die Klingenberger Bergleute anzutragen. Im Bewusstsein ihrer Verantwortung übernahm die Klingenberger Wehr diese wichtige und nicht einfache Aufgabe. Denn damit war für die Mitglieder der Grubenwehr ein nicht geringer, zusätzlicher Zeitaufwand durch die Spezialausbildung und die regelmäßigen Lehrgänge und Leistungstests bei der Hauptstelle für das Grubenrettungswesen in Hohenpeißenberg und auch im Tonbergwerk im Vergleich zu dem "normalen" Feuerwehrdienst mit all den Ausbildungslehrgängen und Übungen, ganz zu schweigen von den vielschichtigen Einsätzen, verbunden. Trotzdem hat die Freiwillige Feuerwehr Klingenberg diese schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe einer Grubenwehr im Untertagebergbau übernommen und in den 34 Jahren ihres Bestehens mit Bestleistungen und Bravour erfüllt.

Ausstattung mit Spezialgeräten

Die Stadt Klingenberg a.Main hat die Grubenwehr entsprechend mit den erforderliche Spezialgeräten ausgestattet und damit die gesetzlichen Voraussetzunge für den Betrieb eines Bergwerkes erf¨llt. Dem gingen jedoch zähe und schwierige Verhandlungen voraus, nach deren Abschluss man sich darauf einigte, eine Grubenwehr aus Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Klingenberg zu schaffen. Bereits im Mai 1977 hatte das Tonwerk sechs Sauerstoff-Kreislaufgeräte vom Typ BG 172 als Erstausstattung für einen Rettungstrupp von der Hauptstelle in Hohenpeißenberg erworben.

Sauerstoff-Kreislaufgeräte - Atemschutzwerkstatt

Die erste theoretische Schulung zum Einsatz mit Sauerstoff-Kreislaufgeräten wurde im damaligen Gerätehaus Klingenberg durchgeführt. Im Jahr 1979 wurde die Grubenwehr offiziell gegründet. Da die Wartung und Pflege der Geräte in eigener Regie durchgeführt wurde, musste eine Atemschutzwerkstatt im alten Gerätehaus eingerichtet werden. In Eigenregie wurde die damalige "Florianstube" zur Werkstatt umgebaut. Die Wände wurden teils gefliest, ein Wasch- und Desinfektionsbecken, eine Abtropfvorrichtung und Regale eingebaut.

Spezialausbildung in Hohenpeißenberg

Zahlreiche Mitglieder wurden in Trupp-, Oberführer- und Gerätewartlehrgängen in der Hauptstelle für das Grubenrettungswesen in Hohenpeißenberg ausgebildet. In regelmäßigen Abständen mussten die Lehrgänge wiederholt werden. Jährlich fuhr eine Gruppe der Grubenwehrmitglieder zu einem Wochenendlehrgang von Freitag bis Samstag in die Hauptstelle nach Hohenpeißenberg.

Untertageübungen - schwierige Aufgabe

In vielen Untertageübungen in der Tongrube wurde die Menschenrettung mit dem Schleifkorb geprobt. Eingebaute oder gegebene Hindernisse forderten vom jeweiligen Rettungstrupp Höchstleistungen. Oft wurde die Ein- und Ausfahrt über den Wetter- und Rettungsschacht mit einer sogenannten Dahlbuschbombe geübt. Durch die Übungen wurden einige Unzulänglichkeiten aufgedeckt und konnten behoben werden. Die Rettung von verunfallten Personen mit dem Schleifkorb über den Förderschacht war nicht einfach. Hier musste jeder Handgriff sitzen, deshalb war ständige Übung notwendig. Jährlich fand eine Revision der Grubenwehr durch die Hauptstelle für das Grubenrettungswesen Hohenpeißenberg und dem Bergamt Nordbayern Bayreuth statt.

Hilfeleistungswehr: Grubenwehr Heilbronn

Um bei einem Unglück in der Grube geordnete Hilfe leisten zu können, bestand ein Hilfeleistungsplan. Hilfeleistungswehr für das Tonwerk Klingenberg war die Grubenwehr der Grube Leoni in Auerbach in der Oberpfalz, bis zu deren Schließung Ende der 1980er Jahre. Eine weitere Grubenwehr befand sich bei den Salzwerken in Bad Friedrichshall-Kochendorf.
In den letzten Jahren war die Grubenwehr Heilbronn unsere Hilfeleistungswehr. Es fanden gemeinsame Übungen im Tonwerk Klingenberg statt und es entstand ein sehr gutes, freundschaftliches und kameradschaftliches Verhältnis zwischen unseren Grubenwehren. Im Jahr 2010 stellten uns die Heilbronner Kameraden sogar ein Grubentelefon für den Einsatz zur Verfügung. Dies ist ganz und gar nicht selbstverständlich und zeugt von unserem freundschaftlichen Verhältnis.

Unterstützung durch Höhenrettungstrupp der Feuerwehr Großheubach

Am Kopf der Wetter- und Rettungsbohrung wurde wahrscheinlich im Jahr 1964 eine Notfahranlage installiert. Diese bestand aus einem Seilscheibenbock, einer elektrischen Haspel und der Rettungsbombe. Da die Anschaffung einer neuen Notfahranlage mit zeitgemäßer Technik an den finanziellen Möglichkeiten des Tonwerkes scheitere, musste nach einer anderen Lösung gesucht werden und wir konnten kurzfristig und auf unbürokratische Weise die Kameraden der Höhenrettungsgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Großheubach für diese Hilfeleistung gewinnen. Es wurde eine entsprechende Vereinbarung abgeschlossen, die in den Alarmierungs- und Rettungsplan des Tonwerkes aufgenommen wurde. Mit dem Abschluss der Verfüllung der Schachtröhre von Blindschacht XXI im August 2012 endete auch die ehrenamtliche und verantwortliche Tätigkeit der Grubenwehrmitglieder.

Einziger Einsatz für die Grubenwehr

In den 34 Jahren, in denen die Grubenwehr existierte, gab es zum Glück keinen Einsatz mit Atemschutzgeräten. Allerdings musste die Grubenwehr im Juni 2010 zu einem Einsatz ausrücken. Auf der 70-Meter-Sohle musste ein durch Firstfall schwerverletzter Hauer aus einem Streckenvortrieb gerettet werden. Dank der schnellen Hilfe durch die Grubenwehr und der Notärztin konnte der Verunglückte gerettet werden. Bei diesem Einsatz wurde deutlich, dass regelmäßige, ständige Übungen auch unter Extrembedingungen und ständige Fortbildung ungemein wichtig sind und sich im Einsatzfall auszahlen.

34 Jahre Verantwortungsvolle und treue Dienste

Nach 34 Jahren endete am 6. Dezember 2013 die Existenz der Grubenwehr Klingenberg, die im Rahmen der Barbarafeier durch den obersten Dienstherrn der Feuerwehr, Bürgermeister Ralf Reichwein, außer Dienst gestellt und von ihrer Verantwortung entbunden wurde. Oberführer Alexander Arnold überreichte dem Bürgermeiste ein Kreislaufatemgerät der Grubenwehr als symbolisches Zeichen der Außerdienststellung.

Dankesworte

Wir möchten es nicht versäumen, an dieser Stellen Herrn Alois Kirchbichler und Herrn Armin Lorenz von der Hauptstelle des Grubenrettungswesens in Hohenpeißenberg für die großartige Unterstützung unserer Grubenwehr und die vielen, schönen, gemeinsamen Stunden ein großes und herzliches Dankeschön zu sagen. Wir danken ebenso herzlich unseren Kameraden von der Höhenrettungsgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Großheubach, insbesondere dem damaligen Leiter der Höhenrettungsgruppe, Herrn Jürgen Farrenkopf, und dem Kommandanten, Herrn Peter Nies, für die wertvolle und kameradschaftliche Unterstützung unserer Grubenwehr.

Interessengemeinschaft Tonbergbautradition Klingenberg a.Main

Die Mitglieder der Grubenwehr und auch die Freiwillige Feuerwehr Klingenberg werden die Erinnerung an die Grubenwehr des Tonwerkes der Stadt Klingenberg a.Main und zusammen mit der Interessengemeinschaft Tonbergbautradition Klingenberg a.Main das Andenken an die 270jährige Geschichte des Tonbergwerkes, die untrennbar mit der Geschichte unserer Stadt verbunden ist, in der Erinnerung auch für die nachfolgenden Generationen wach halten und aktiv pflegen. Glück auf!




Tonwerk




Tonwerk der Stadt Klingenberg a.Main

Mit der Ausförderung des "Letzter Hunt" von der 70-Meter-Sohle des Tonbergwerkes mit bergmännischem Zeremoniell am Freitag, 16.12.2011, um 11:00 Uhr und des Festaktes im Pfarrheim Klingenberg um 18:00 Uhr mit der anschließenden Barbarafeier wurde das Tonwerk der Stadt Klingenberg a.Main offiziell geschlossen und der Ton Abbau eingestellt. Seit diesem Zeitpunkt ist das Tonbergwerk der Stadt Klingenberg a.Main Geschichte.

Geschichtliche Daten

Erste Hinweise darauf, dass die Stadt Klingenberg im Besitz einer Tongrube war, ergeben sich aus einer Urkunde aus dem Jahr 1567. Aus weiteren dokumentierten Überlieferungen geht hervor, dass man 1740 bereits an 21 Stellen Ton im Tagebau gefördert hat. Später ging man allerdings dazu über, den Ton im Untertagebau zu fördern. Der Hauptstollen wurde im Jahr 1786 als Schrägstollen angelegt. 1940 wurde der Förderschacht 21 im Buntsandstein abgetäuft, der bis zur Schließung der Grube in Betrieb war und 70 Meter in die Tiefe führt.

Einzige Stadt mit eigenem Bergwerk

Die Stadt Klingenberg war die einzige Stadt in Bayern, ja sogar in der gesamten Bundesrepublik, die einen Untertage-Bergbau, der in seinen Wurzeln jahrhunderte in der Geschichte zurückreicht und für lange Zeit in herrlicher Blüte stand, betrieben hat. Dadurch brachte es die Stadt zu Reichtum, der auch den Bürgern in einem einzigartigen Wohlstand zu Gute kam.

Lage des Tonvorkommens

Der tertiäre Ton liegt auf einem Höhenzug östlich von Klingenberg in einer Buntsandsteinformation eingebettet. Die Ausdehnung des Tonlagers von Osten nach Westen beträgt ca. 200 m. Die Länge des Tonvorkommens von Süden nach Norden ist nicht genau bekannt und wird mit ca. 500 m angenommen. Geoelektrische Messungen, die 1979 durch das Landesamt für Bodenforschung durchgeführt wurden, lassen vermuten, dass weitere Tonvorkommen im Norden und Süden des jetzigen Abbaugebietes vorhanden sind. Die Mächtigkeit des unter Lös gelagerten Tones beträgt 30 bis 50m.

Klingenberger Wein und Ton - die ganze Welt sie spricht davon

Pro Jahr wurden ca. 3.500 Tonnen Ton von ausgezeichneter Qualität ans Tageslicht gefördert. Der Klingenberger Ton war durch seine über Jahre hinweg gleichbleibende Qualität, Reinheit und hohe Bindefähigkeit über viele Jahrzehnte ein hervorragender Rohstoff, der in die meisten Länder der Erde exportiert wurde. Vor allem für die Bleistiftindustrie zur Bleistiftminenherstellung auf der ganzen Erde, war der Klingenberger Ton ein begehrter Rohstoff. Wegen seiner außergewöhnlichen Qualität nahm er auch in der Elektrokeramik zur Herstellung von Isolatoren oder in der Schmelztiegelherstellung eine Spitzenstellung ein.

"Goldenen Jahre" sind schon lange vorbei

Das Tonvorkommen würde nach fundierten Berechnungen und Schätzungen noch weitere 50 Jahre ausreichen, aber die "goldenen Jahre" des Tonwerkes sind schon lange und unwiederbringlich vorbei. Es ist heute nicht mehr vorstellbar, dass es der Stadt möglich war, vor dem 1.Weltkrieg aus dem Gewinn des Bergwerkes jährlich jedem Bürger der Stadt ein sogenanntes Bürgergeld in Höhe bis zu 400 Goldmark auszuzahlen. Die bescheidenen Gewinne nach dem 2.Weltkrieg und die in den letzten Jahren immer weiter steigenden Verluste reichten hierfür schon lange nicht mehr aus, und waren letztendlich ausschlaggebend dafür, dass das Tonbergwerk der Stadt Klingenberg a.Main am 16. Dezember 2011 geschlossen und die letzte Schicht gefahren, der letzte Hunt gefördert wurde. Damit ging eine fast 270jährige Tradition zu Ende und eine einzigartiges Bergwerk mit einem einzigartigen Rohstoff in die Geschichte ein.

Erinnerung wachhalten

Die Interessengemeinschaft Tonbergbautradition Klingenberg a.Main, die sich aus ehemaligen Bergleuten, Angestellten und Freunden des Tonwerkes sowie Mitgliedern der Grubenwehr und der Freiwillige Feuerwehr Klingenberg zusammensetzt, werden das Andenken an die 270jährige Geschichte des Tonbergwerkes, die untrennbar mit der Geschichte unserer Stadt verbunden ist, in der Erinnerung auch für die nachfolgenden Generationen wach halten und aktiv pflegen. Glück auf!

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